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Höhe schlägt aufs Gemüt

16. Mai 2018

Der Wohnort beeinflusst, wie anfällig Menschen für Depressionen und auch für Suizid sind. So viel war bereits bekannt. Forscher aus dem gebirgigen US-Bundesstaat Utah deckten nun allerdings in einer großen Metastudie einen Faktor auf, der bislang eher wenig beachtet wurde: die geografische Höhen des Orts. Die Psychiater um Brent Kious analysierten zwölf Studien, die weltweit zu dieser Fragestellung erschienen sind. Die Höhe über dem Meeresspiegel einer Gemeinde hing dabei über alle Studien hinweg mit der Suizidrate zusammen. Und: Je Höher ein US-Bundesstaat im Durchschnitt liegt, desto größer ist der Anteil der Menschen, die sich selbst töten. Dies ließ sich auch nicht durch demografische Faktoren oder den schlechteren Zugang zu psychiatrischer Versorgung in Gebirgsregionen erklären. Die Depressivität war in höheren Lagen ebenfalls größer; dieser Zusammenhang fiel jedoch weniger deutlich aus. Als Erklärung für den Befund vermuten die Forscher eine chronische Hypoxie, also eine Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff, da in höheren Lagen Regionen der Sauerstoffgehalt geringer ist. Versuche in Druckkammern, die etwa Bergsteiger zur Vorbereitung auf Expeditionen nutzen, ergaben bereits Hinweise auf zunehmende Ängstlichkeit und Depressivität nach dem Training. Zudem zeigen Messungen, dass Höhenbewohner tatsächlich eine geringere Sauerstoffsättigung im Blut aufweisen, der Körper den Effekt folglich nicht mit der Zeit kompensieren kann. Sauerstoff wird im Blut neben vielen anderen Dingen zur Bildung des Hirnbotenstoffs Serotonin benötigt, dessen Mangel bei Depression eine wichtige Rolle spielt. Vermute man also Hypoxie als Grund für diese psychische Erkrankung, könnten Medikamente helfen, die den Serotoninstoffwechsel unterstützen, spekulieren Kious und seine Kollegen. Harv. Rev. Psychiatry.26, S 43-56, 2018

(Quelle: Gehirn + Geist)



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